Essaouira,
Atlantik, Marokko - eine Stadt, ein Hafen und Wind. Und natürlich Geschichte,
Leben und Kunst zwischen den Kulturen. Die Phönizier waren zu Besuch, die Nubier
siedelten hier, Juba II. gründet Purpurmanufakturen: Farbe für die Großen der
Antike. Später kommen die Portugiesen. 1506 legen sie eine kleine Festung an,
ein künftiges Piratennest.
Damit ist 1760 spätestens Schluss. Im Auftrag
des Sultans Mohammed Ben Abdallah entwirft Théodor Cornut, französischer Architekt
in Gefangenschaft, die heutige Stadt. Essaouira wird Hafen- und Handelsstadt,
Ausgangspunkt für den Transsaharahandel mit Timbuktu. Neben den einheimischen
Berbern der Regrara siedeln hier jüdische Händler, leben und arbeiten schwarzafrikanische
Sklaven, herbeigeholt zum Bau Essaouiras; es begegnen sich die Kulturen und sie
leben friedlich miteinander, bereichern sich gegenseitig. Das hat sich ebenso
erhalten wie die rechtwinklige Anlage der europäisch gedachten Stadt mit heute
fast 60000 Einwohnern. Erhalten haben sich ihre Festungsmauern, der Hafen, geblieben
ist das Nebeneinander der Kulturen. Berber, Araber und nicht zuletzt die Nachfahren
der schwarzafrikanischen Sklaven, die Gnaoua oder Gnawa, bestimmen heute das Erscheinungsbild
dieser lebendigen marokkanischen Stadt am Atlantik. Oft mischen sich in die steifen
Brisen des Meers, des "hal", die dumpfen Trommelklänge der Gnaoua. Zu ihren Riten
gehören die Rhythmen der Trommeln, die Trance erzeugen, Kranke heilen und Feste
begleiten. Ein Anziehungspunkt für viele Musiker, allen voran Ende der sechzieger
Jahre Randy Weston, Jazzpianist, später Jimmy Hendrix, Cat Stevens, das Living
Theatre und Peter Gabriel. Sie alle waren vor Ort, studierten die Musik der Gnaoua
und bereicherten mit diesen Einflüssen die Welt von Jazz Rock und Pop - Voodoo
westafrikanisch, zwischen Islam und Schwarzafrika. Bei der Musik ist es nicht
geblieben. Heute gehört sie zu Essaouira wie der Wind, die Musik und der Tourismus
- die Kunst. Allem voran die Malerei der Gnaoua, aber auch ihre Skulpturen, bereichern
das Erscheinungsbild Marokkos. In diesen Werken mischen sich die nord- und schwarzafrikanischen
Wurzeln, spielen die Rituale des Alltags ebenso eine Rolle wie die Mythen der
Gnaoua. Diese Malerei ist untrennbar verbunden mit dem Wirken Frédérik Damgaards,
einem dänischen Kunsthistoriker, der Ende der achtziger Jahre in Essaouira eine
Galerie gründete, viele Künstler ermutigte und ihre Kunst bekannt machte. ESSAOUIRA,
die weiße Stadt am Meer, das lohnt sich!