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günter g. müller De Haan (B), E-Mail | |||||||||
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günter
gabriela müller, 1951 in köln geboren, Ausstellungen: Buchhandlung
Kösel, Köln 1974 Sichtbar Unsichtbar (Weiße Bilder und Rost) Ein immer wieder missverstandener Kunstbegriff verleitet gerade bei abstrakten Arbeiten dazu, nach dem Können zu fragen. Wo das Wiedererkennbare, also das Gegenständliche fehlt, da fehlt im Sinne dieser Fehldeutung auch das Können: Künstlerisches Können aber hat z.B. Paul Klee so verstanden: Der Künstler soll nicht das ( ohnehin ) Sichtbare zeigen, sondern das Unsichtbare sichtbar machen. Und damit beginnt das Verstehen für die abstrakte Kunst. Ein Haus mit akademischen Mitteln zu malen bedarf es keiner allzugroßen Übung. Seinen Geist jedoch herauszuarbeiten erfordert eine ganz andere Fähigkeit; der muss in Form und/oder Farbe so umgesetzt werden, dass für den Betrachter auch das Dahinterliegende sichtbar wird. Deshalb steht der Unvorbereitete oft vor einem abstrakten Bild und lehnt es ab, obwohl er nicht recht begründen kann, weshalb. Dass es ihm umgekehrt auch bei einem gegenständlichen Bild so ergehen kann, er also nicht weiß, warum es ihm gefällt, das vermerkt er oft nicht, weil Gefallen jedes Hinterfragen außer acht läßt. Ein weiteres Missverständnis bei der Kunstbetrachtung liegt darin, dass allerorten verbreitet wird, Kunst spräche für sich. Ein Kunstwerk spricht immer nur durch den Betrachter! Wie der sich bereit findet, so wird das Werk sich öffnen. (Natürlich unter der Voraussetzung, dass es sich öffnen lässt.) Dazu bedarf es der Zeit. Und der Vorbereitung. Jede moderne Kunst hatte in ihrer Zeit Schwierigkeiten, verstanden zu werden. Selbst, ja gerade die sogenannte Pop- (uläre) Kunst verstand sich nicht aus sich heraus, sondern musste erklärt werden. Um so mehr eine Kunst, die in ihrer Symbolik immer individueller wird, und die weitaus mehr fordert, als nur den Augen-Blick. Sie fordert zunehmend den ganzen Körper des Aufnehmenden. Damit
wäre ein Zugang geschaffen zu den Arbeiten Günter G. Müllers. Sie
stellen hinter dem Offensichtlichen Unsichtbares dar, sie fordern körperliche
Aktivität, sie erwarten erfahrenes Wissen. Die Arbeiten verleiten geradezu
zum Anfassen, zum Greifen, sie sind körperlich, selbst als Bild, sie sind
sinnlich. Greifbar. Auch auf diesem Wege be-greifbar. In einer Welt des Plastiks
und der Künstlichkeit, des allzu Glatten und Un-fass-baren geben seine Arbeiten
scheinbar nutzlos Gewordenem, Weggeworfenem eine neue, vorher nicht erkannte Ästhetik.
Er macht sichtbar, was nicht mehr wahrnehmbar erschien. Auch in diesem alten Sinne
ist er Ästhet: einer, der wahrnimmt. Seine Werke der arte povera
zuzuordnen, fällt leicht. Im Sinne dieser italienischen Kunstrichtung benutzt
er arme Gegenstände, um sie in neuen Zusammenhängen zu bereichern.
Seine Bildelemente treten in vielfache Beziehung zueinander, fast könnte
man von menschlichen Beziehungen sprechen. Und trotz aller Spannung bewegen sich
diese Elemente letztlich in einem harmonischen Miteinander. Damit leisten sie
(so paradox das klingt) in mehrfacher Hinsicht Widerstand. In einer oft chaotischen,
hektischen, unsinnlich gewordenen Welt bieten Müllers Plastiken und Bilder
Ruhe und Gelassenheit, nicht zuletzt durch die minimalistische, auf wenige Komponenten
reduzierende Syntax; seine Materialien knüpfen zudem an ursprüngliche
Bedürfnisse wie Greifen, Tasten, Fassen an. Bedürfnisse, die oft genug
nicht mehr gelebt werden. Seine Arbeiten entstehen auch nicht am Reißbrett, haben keine computergesteuerten Schnittflächen, sondern finden sich als Rohstoff an den Rändern der Straße. Der Prozess der Produktion beginnt beim Sehen. Er findet Material und er fügt Erfahrungen hinzu. Müller sammelt, wo immer er unterwegs ist: Schlacke auf der Bahnstrecke zwischen Ostende und De Haan, zerstörte Rohre auf Baustellen in Brügge, zurückgelassene Begrenzungspfeiler auf der Autobahnausfahrt irgendwo, er findet auf dem Bahnhof in Venedig, in den Vororten von New Jersey, irgendwo in Italien, an der Dordogne, auf, neben, an, bei .... Nicht zuletzt sammelt er Ein-drücke, die Menschen hinterlassen. Für die Suche dessen, was dahinter stehen mag. Müllers Arbeiten sind nicht einfach zu verstehen. Sie erschließen sich in ihrer komplexen Ballung selten sofort. Manchmal geht es dem Betrachter damit, wie einem Menschen, der in einen sauren Apfel beißt: Erst im Nachhinein, beim Schmecken und Entwickeln des Aromas entsteht Geschmack nach Mehr. Ein Geschmack, der gelernt haben muss, dass Süße sich auch später einstellen kann. Material
und Farbe Das
Weiß Die
Farbe Der
Rost Gabriele Bonus-Tormann, Köln 1991 | |||||||||