Prof.
Klaus Honnef hat anlässlich einer von Douglas Swans Ausstellungen einen kurzen
treffenden Text verfasst:
Wenn
du die Legende kennst und die Wahrheit weißt - druck die Legende, rät ein
erfahrener Reporter seinem Volontär in John Fords legendärem Western "The
Man Who Shot Liberty Valance".
Eine der schönsten Legenden der Kunstgeschichte berichtet der römische
Schriftsteller Plinius:
Im antiken Griechenland hat sich ein Wettbewerb zwischen den berühmtesten
Malern ihrer Zeit, dem Zeuxis und dem Parrhaisios, zugetragen. Wer wohl der
bessere von beiden sei. Zeuxis malte ein Bild mit Trauben, die so lebendig
dargestellt waren, dass die Vögel heranflogen, um daran zu picken. Dass er
gleichwohl Parrhaisios unterlag, weil dieser sogar den Zeuxis täuschte, tut
hier nichts zur Sache. Denn in unserem Falle ist Zeuxis der interessantere
Künstler. Ihm gelang es mit Mitteln der Kunst, den Instinkt der Tiere zu besiegen.
Wie die Trauben gemalt waren, wissen wir nicht. Sicherlich nicht fotografisch
korrekt. Eher so wie Douglas Swan, der künstlerische Zauberer unserer Tage,
die Früchte auf den Etiketten der inliegenden Flaschen gemalt hat. Nämlich
so, dass uns das Wasser im Munde zusammenläuft. So, dass über die Vermittlung
der Augen unser Zentralnervensystem angesprochen und unser Geschmacksinn angeregt
wird. Mit den wie hingetuscht wirkenden Früchten hat der Maler unsere Phantasie
beflügelt, mit Hilfe des Sehsinns Impulse auf den Geschmacks- und schließlich
auch den haptischen Sinn ausgelöst. Wir möchten die herrlichen Früchte gerne
berühren. Dabei wissen wir: Die verlockenden badischen Wildpflaumen und die
betörenden Spätburgunder-Trauben sind allesamt wunderbare Erfindungen des
Malers Douglas Swan, ein Zeuxis von heute. Eines Malers, dessen Bildern wir
seine Lust beim Malen ansehen. Er schlägt zwar leise Töne an, aber erzielt
überwältigende Wirkungen. Er verwandelt die Natur in Kunst wie der Winzer
die Früchte der Natur in ein Wasser des Lebens.
Zitat
aus
Lothar Romain - Über Douglas Swan in Douglas Swan - Bilder
Air Air-Variationen, Moderne Galerie des Saarland-Museums, Saarbrücken
1983:
Nur
auf den ersten Blick hin scheinen die Bilder von Douglas Swan eine leichte
Beute der Augen zu werden. Gewiss, man nähert sich ihnen entspannter als manchem
verschlüsselten Werk aus der konzeptionellen bis introvertierten Kunst des
letzten Jahrzehnts. Diese Bilder lassen sich dagegen wie mühelos identifizieren,
bieten dem Betrachter Erkennungsmerkmale in Form der Gegenstände, von denen
und über die da gemalt wird. Doch der erste Blick trügt. Douglas Swans Bilder
sind im wörtlichen wie im übertragenen Sinne doppelbödig und mehrschichtig,
durchdrungen von rein malerischen dem Begrifflichen weitgehend entzogenen
Reflexionen. Sie sind es durch ihre vielfach realen, manchmal nur imaginierten
doppelten Ebenen, sind es durch die Verbindung von poetischen Bildinhalten
mit ihren malgrammatischen Aufschlüsselungen und schließlich durch ihre immer
wieder ausgewiesenen Bindungen an den kunstgeschichtlichen Kontext. Swan malt
auf der Schwelle zwischen gegenständlich und abstrakt, aber nicht im Sinne
einer Entwicklung, als ob das eine zum anderen wie Erlösung strebe, sondern
als Gleichzeitigkeit des Widerspruchs, als Ergebnis der Überzeugung, dass
ein Bild die Fülle seiner Möglichkeiten nur durch die Integration von Gegenbildern
erschließt bzw. in den Gegenbildern erst seine Bedingungen artikuliert."
In
der Rede zum Tode seines Freundes im Juni 2000 führte Lothar Romain aus:
Douglas gehörte nicht zu den Zeitgeistern, die mit den Moden sich wenden
und deshalb vielleicht oben schwimmen. Im Gegenteil: seine Balance zwischen
Ge-genständlichkeit und freier Farbmalerei hat sich von dem Wechselspiel der
Trends ferngehalten, war in einem gewissen Sinne eher klassische Malerei,
die sich den Abschieden vom Bild oder den vielfältigen Versuchen der Grenzüber-schreitung
eher verweigerte, auch wenn es auch bei ihm ab und zu Versuche gab, collagenhafte
Momente einzubauen. Doch die gehören zu seinem Sujet, das - metaphorisch gesprochen
und damit einen Titel von Peter Weiss paraphrasierend - lautete: nicht nur
der Schatten des Körpers des Kutschers, sondern der Schatten des Schattens
und dessen Wiedergeburt als Körper in der Farbe. Douglas verwandelte in seinen
Bildern nicht schnelle Affekte in laute Affekte. Seine Bildwelten sind - und
sie bleiben ja - trotz aller auch einmal furiosen malerischen und farblichen
Ereignisse eher still, wenn es um die Fragen von großen Botschaften oder angeblichen
Grundwahrheiten geht - oder sollte man statt still besser: zurückhaltend sagen,
was den lauten Lärm des Alltags betrifft, dafür aber um so mehr konzentriert
auf die nie einschätzbaren Implosionen des Alltäglichen. Lothar Romain zitierte
ein Gedicht des 26jährigen Hans Arp aus dem Jahre 1912,
Klage schon früh gegen ein Jahrhundert, das die Phantasie und deren notwendiges
Maß an Ursprünglichkeit und an Unverbildetheit dem Funktionalismus eines industriell-technischen
Zeitalters geopfert habe. Dort heißt es zu Beginn: Weh unser guter Kaspar
ist tot.
Wer
trägt nun die brennende fahne
im wolkenzopf verborgen
täglich zum schwarzen schnippchen schlagen
Wer dreht nun die kaffemühle im urfaß
Wer lockt nun das idyllische reh aus der versteinerten tüte
Wer verwirrt nun auf dem meere die schiffe mit der anrede paraplue
und die winde mit dem zuruf bienenvater ozonspindel euer hochwohlgeboren
Weh weh weh unser guter kaspar ist tot.
Heiliger bimbam kaspar ist tot.
Einer der letzten Nachfahren jenes Bildes von Poesie und Künstler, der die
Meere verwirrte, indem er ihre Urgewalt in eine farbmusikalische Gischt von
Schaum-geborenen ohne Venus verwandelte, ist am Anfang dieses neuen Jahrhunderts
von uns gegangen. Die Welt wird ärmer sein, ... |
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Douglas Swan wird
vertreten von:
Galerie
Pudelko
Heinrich von Kleist-Str. 11
53113 Bonn
Galerie
Pro Arte
Schwabentorplatz 6
79098 Freiburg |